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Zwangsstörungen

Symptome und Ursachen

Mehrmals hintereinander kontrollieren, ob die Tür wirklich abgeschlossen ist, obwohl klar ist, dass sie es ist. Oder aus Angst vor Keimen und Ansteckung die Hände so oft waschen, bis die Haut rau wird und schmerzt: Zwangsstörungen sind mehr als nur Marotten oder lästige Angewohnheiten. Sie zählen zu den psychischen Störungen und können Betroffene enorm belasten

Etwa zwei bis drei Prozent der Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens mindestens einmal eine Zwangsstörung. Die Erkrankung zeigt sich oft schon bei Kindern und Jugendlichen, bei 65 Prozent der Betroffenen tritt sie vor dem 25. Lebensjahr auf. Zwangsstörungen und deren Symptome bestehen oft über mehrere Jahre und schränken das Leben zunehmend ein, bis eine Behandlung erfolgt. Nicht selten werden sie von anderen psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen begleitet.

Zu den häufigsten Zwangshandlungen gehören Kontroll- und Waschzwänge.

Männer und Frauen sind etwa gleich häufig von Zwangsstörungen betroffen.

Ohne Therapie verläuft eine Zwangsstörung oft chronisch.

Was ist eine Zwangsstörung?

Unter einer Zwangsstörung versteht man eine psychische Erkrankung, bei der Menschen unter wiederkehrenden, unerwünschten Gedanken (Zwangsgedanken) und sich wiederholenden Handlungen (Zwangshandlungen) leiden. Diese Gedanken und Handlungen sind oft sehr belastend und erscheinen den Betroffenen kaum kontrollierbar.

Zwangsgedanken

sind aufdringliche und beunruhigende Gedanken, Bilder oder Impulse, die immer wieder aufkommen. Sie können sich um verschiedene Themen drehen, wie etwa Symmetrie, Gewalt, Sexualität oder Angst vor Schmutz und Keimen. Obwohl Betroffene wissen, dass diese Gedanken unsinnig oder übertrieben sind, können sie sie nicht einfach abstellen.

Zwangshandlungen

sind wiederholte Verhaltensweisen oder Rituale, die in vielen Fällen als Reaktion auf die Zwangsgedanken ausgeführt werden. Diese Handlungen sollen Angst oder Unbehagen reduzieren oder ein befürchtetes Ereignis verhindern. Beispiele für Zwangshandlungen sind das Zählen, Ordnen und Aufräumen, häufiges Händewaschen, ständiges Überprüfen von Türen und Fenstern oder das Wiederholen bestimmter Worte oder Sätze.

Welche Arten von Zwangsstörungen gibt es?

Ausgehend von der Art der Zwangsgedanken oder -handlungen unterscheidet man unterschiedliche Formen von Zwangserkrankungen:

Waschzwang
Menschen, die von einem Waschzwang betroffen sind, haben eine übermäßige Angst vor Schmutz und Keimen. Sie waschen sich ständig die Hände oder reinigen ihre Umgebung – oft bis die Haut wund wird oder sie große Teile ihres Tages mit Putzen verbringen.
Kontrollzwang
Betroffene eines Kontrollzwangs überprüfen mehrfach, ob Türen und Fenster wirklich geschlossen oder Elektrogeräte ausgeschaltet sind. Sie fürchten sich vor möglichen Katastrophen wie einem Einbruch oder einem Brand und fühlen sich erst sicher, wenn sie alles mehrfach kontrolliert haben.
Zählzwang
Bei einem Zählzwang verspüren Betroffene einen inneren Drang, Dinge zu zählen – zum Beispiel beim Gehen über Pflastersteine, beim Treppensteigen oder beim Aufreihen von Gegenständen. Dieser Zwang entsteht aus dem Gefühl heraus, dass sie durch das Zählen Unheil abwenden können oder dass etwas Schlimmes passiert, wenn sie nicht zählen.
Ordnungszwang
Betroffene Personen haben das Bedürfnis, Dinge in einer festen Reihenfolge oder Symmetrie zu halten. Sie verbringen viel Zeit damit, Gegenstände genau auszurichten oder in einer bestimmten Ordnung zu arrangieren.
Wiederholungszwang
Ein Wiederholungszwang zeigt sich darin, dass Handlungen und Gedanken mehrfach ausgeführt werden, bis sie sich „richtig“ anfühlen. Das betrifft in vielen Fällen alltägliche Handlungen wie das Öffnen oder Schließen einer Tür.
Sammelzwang
Charakteristisch für einen Sammelzwang ist, dass Betroffene Schwierigkeiten haben, sich von Dingen zu trennen – unabhängig von deren tatsächlichem Wert. Das kann zu einem starken Überfüllen des Wohnraums führen und den Alltag stark beeinträchtigen.

Vielseitige Ausprägungen von Zwangsstörungen

Neben diesen häufigsten Formen kommen weitere, spezifische Zwangsstörungen vor, zum Beispiel der Gedankenzwang (quälende, aufdringliche Gedanken, die nicht unbedingt zu Handlungen führen), der Beziehungszwang (anhaltende Zweifel an der Beziehung, dem Partner oder den eigenen Gefühlen, die mit ständiger Überprüfung einhergehen), der Gesundheitszwang (ständige Besorgnis über schwere Krankheiten mit häufigem Überprüfen des Körpers und Einholen medizinischer Meinungen) oder der religiöse Zwang (extreme Angst vor Verstößen gegen religiöse Überzeugungen oder moralische Fehler, die übermäßige religiöse Rituale oder geistige Überprüfungen verursachen).

Symptome einer Zwangsstörung

Eine Zwangsstörung ist hauptsächlich durch Zwangsgedanken oder/und Zwangshandlungen in unterschiedlichen Formen gekennzeichnet. Sie bestimmen den Alltag der Betroffenen und schränken ihre Lebensqualität stark ein.

Zunächst nimmt das Verarbeiten der zwanghaften Gedanken und das Ausführen der Handlungen viel Zeit in Anspruch. Manche Betroffene verbringen mehrere Stunden pro Tag damit. Die ständigen Wiederholungen führen zu Müdigkeit und Erschöpfung. Zusätzlich erleben sie Unruhe, Nervosität und hohe Angst- oder Spannungsniveaus, die durch die Zwangsgedanken und Zwangshandlungen ausgelöst werden.

Häufig versuchen betroffene Personen, die Symptome der Zwangsstörung vor anderen zu verbergen. Gleichzeitig können etwa durch übermäßiges Händewaschen und Putzen auch körperliche Beeinträchtigungen wie Hautirritationen oder Verletzungen auftreten, die schwer zu verstecken sind. Scham und Geheimhaltung schränken viele Betroffene in ihrem alltäglichen Leben stark ein. Dazu kommt, dass sie häufig Situationen oder Orte meiden, die Zwangsgedanken auslösen könnten oder keine Entscheidungen treffen möchten, um keine falsche Wahl zu riskieren.

Außerdem beeinflussen Zwangsstörungen oft nicht nur das Leben unmittelbar betroffener Menschen, sondern auch das ihres sozialen Umfelds. Indem ihnen nahestehende Personen Rücksicht auf die ritualisierten Handlungen oder Gedanken nehmen, verlieren auch sie zunehmend an Freiräumen.

Ursachen einer Zwangsstörung

Die Ursachen einer Zwangsstörung sind vielfältig und komplex. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen, biologischen und psychologischen Faktoren zur Entwicklung dieser Erkrankung beiträgt.

Neurobiologische Modelle weisen darauf hin, dass Ungleichgewichte und Fehlfunktionen im Gehirn eine Rolle spielen können. Bestimmte Gehirnregionen wie die Basalganglien und der präfrontale Kortex, in denen die Kontrolle von Bewegungen und Gedanken stattfindet, zeigen bei Betroffenen auffällige Aktivitäten. Außerdem kann ein Ungleichgewicht bei Neurotransmittern wie Serotonin oder Noradrenalin, die für die Kommunikation zwischen Nervenzellen verantwortlich sind, zur Entwicklung von Zwangsstörungen beitragen.

Auch genetische Faktoren können einen Einfluss haben. Studien zeigen, dass Zwangsstörungen in Familien gehäuft auftreten. Bei Menschen mit nahen Verwandten, die an einer Zwangsstörung leiden, ist das Risiko höher, selbst diese Erkrankung zu entwickeln.

Lerntheoretische Modelle verfolgen den Ansatz, dass Zwangshandlungen erlernt werden. Demnach können Zwangsgedanken zufällig auftreten und Angst oder Unbehagen verursachen. Wenn eine Person dann etwas tut, das dieses Unbehagen kurzfristig reduziert, wird diese Handlung verstärkt und wiederholt. Über die Zeit kann sich dieses Verhalten zu einem Muster festigen.

Psychodynamische Modelle gehen davon aus, dass Zwangsstörungen durch unbewusste Konflikte und verdrängte Gefühle verursacht werden. Nach diesem Ansatz sind Zwangsgedanken und -handlungen Versuche der Psyche, diese Konflikte zu bewältigen und unter Kontrolle zu halten. Beispielsweise könnten aggressive Impulse, die als inakzeptabel wahrgenommen werden, in Form von Zwangsgedanken auftauchen und durch Zwangshandlungen neutralisiert werden.

Missbrauch oder Vernachlässigung in der Kindheit können ebenfalls das Risiko erhöhen, dass eine Zwangsstörung entsteht. Auch Infektionen, zum Beispiel mit Streptokokken, wurden in Zusammenhang mit einer plötzlichen Entwicklung von Zwangsstörungen bei Kindern gebracht.

Zwangsstörungen behandeln

In unseren Heiligenfeld Kliniken behandeln wir Patientinnen und Patienten mit Zwangsstörungen. Unser therapeutisches Konzept basiert auf jahrzehntelanger Erfahrung in der Psychosomatik und betrachtet den Menschen in seiner Gesamtheit. Dabei arbeiten wir leitlinienorientiert und ganzheitlich und unterstützen Sie bei Ihrem Heilungsprozess.

Wir sind für Sie da!

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