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Dissoziative Störungen

Symptome und Ursachen

Dissoziation ist ein Phänomen, das viele Menschen in ihrem Alltag erleben, oft ohne es zu bemerken. Typische Beispiele sind:

Erinnerungslücken beim Autofahren:

Manchmal merkt man, dass man ein Stück der Strecke zurückgelegt hat, ohne sich bewusst daran zu erinnern.

Tagträumen:

​Kurze Momente des Abdriftens in Fantasien oder Gedanken, oft während monotoner Tätigkeiten.

Intensive Konzentration:

Beim Lesen eines Buches oder beim Schauen eines Films kann man so vertieft sein, dass man die Umgebung ausblendet.

Was ist eine dissoziative Störung?

Eine dissoziative Störung ist eine psychische Erkrankung, die durch schwerwiegende und häufige Dissoziationen in Form von Ausfallerscheinungen der Wahrnehmung, des Gedächtnisses oder körperlicher Funktionen sowie durch Störungen des Identitätsbewusstseins gekennzeichnet ist.
Betroffene haben bspw. keine Erinnerung an zurückliegende Ereignisse oder Situationen, leiden an Lähmungserscheinungen oder einer Minderung ihres Seh- oder Hörvermögens.
Die Suche nach einem körperlichen Grund für diese Beschwerden bleibt ergebnislos. Stattdessen liegt dissoziativen Störungen eine psychische Ursache zugrunde, etwa ein stark belastendes Erlebnis oder ein massiver interpersoneller Konflikt.

Unterschiede und Abgrenzung

Die Hauptunterschiede zwischen normaler Dissoziation und dissoziativer Störung liegen in der Häufigkeit, der Intensität und in den Auswirkungen auf das tägliche Leben. Bei einer dissoziativen Störung sind die Dissoziationen oft so intensiv, dass sie den Alltag erheblich beeinträchtigen und eine professionelle Behandlung erforderlich machen.

Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Schwere Erinnerungslücken, weit über das „normale“ Vergessen hinaus.
  • Identitätsverwirrung, also Schwierigkeiten, die eigene Identität kohärent, als Einheit, zu erleben.
  • Beeinträchtigte Funktionsfähigkeit in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Bereichen.

Formen und Symptome der Dissoziativen Störung

Zu den dissoziativen Störungen zählen die folgenden Subtypen:

Dissoziative Amnesie

Eine Störung des Erinnerungsvermögens. Betroffene sind unfähig, sich an bestimmte Geschehnisse, Situationen und/oder Zeiträume zu erinnern. Der Amnesie vorausgegangen sind meist stark belastende/traumatisierende Erlebnisse.

Dissoziative Fugue

Betroffene verlassen für einen bestimmten Zeitraum ihr gewohntes Lebensumfeld und begeben sich an einen anderen Ort. Dabei werden die bisherigen Beziehungen (im privaten und beruflichen Bereich, zu Verwandten, Freunden etc.) abgebrochen; die Betroffenen leben mit einer teilweise oder vollständig veränderten Identität. Die für eine normale Bewältigung des Alltags erforderlichen Handlungen werden problemlos ausgeführt. Für Außenstehende wirkt die betroffene Person unauffällig, erlebt selbst jedoch einen Zustand der dissoziativen Amnesie für den fraglichen Zeitraum.

Dissoziativer Stupor

Willkürliche Bewegungen der Betroffenen sowie normale Reaktionen auf äußere Reize – Ansprache, sonstige Geräusche, Licht oder Berührungen – sind massiv vermindert oder fehlen völlig. Betroffene sind regungslos, wirken wie erstarrt. Auch hier findet sich im Vorfeld häufig ein stark belastendes Ereignis.

Trance- und Besessenheitszustände

Betroffene verlieren ihre Gewissheit, die Person zu sein, die sie bisher waren, das Gefühl für ihre eigene Identität. Ihre Wahrnehmung ist eingeschränkt, die Sprache und die Mimik teilweise monoton. Mitunter verhalten sich Betroffene so, als seien sie „besessen“ oder als würde sie eine höhere Macht kontrollieren.

Dissoziative Bewegungsstörungen

Hier finden sich teilweise oder vollständige Lähmungen von Körperteilen, die Unfähigkeit zu koordinierten Bewegungen, das Unvermögen, zu gehen oder ohne Hilfe von außen zu stehen. Auch Beeinträchtigungen der Fähigkeit zu sprechen sind zu beobachten, genauso wie Schütteln oder Zittern des gesamten Körpers oder einzelner Körperteile.

Dissoziative Krampfanfälle

Plötzliche krampfartige Bewegungen, die große Ähnlichkeit zu einem epileptischen Anfall aufweisen. Ein Bewusstseinsverlust ist jedoch nicht zu beobachten.

Dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen

Beeinträchtigung der normalen Sensibilität der Haut, etwa im Sinne von Taubheits- oder Überempfindlichkeitserleben, Störungen des Seh- und Hörvermögens oder des Geruchssinns.

Multiple Persönlichkeitsstörung

Innerhalb eines Menschen finden sich mindestens zwei klar voneinander abgrenzbare Persönlichkeiten, mit einer jeweils eigenen Gefühlswelt, eigenen Erlebens- und Verhaltensweisen und Erinnerungen. Die verschiedenen Persönlichkeiten existieren typischerweise vollständig getrennt voneinander, und zu einem bestimmten Zeitpunkt ist jeweils immer nur eine Persönlichkeit „im Vordergrund“.

Wie fühlt sich dissoziieren an?

Dissoziieren kann sich für Betroffene unterschiedlich anfühlen, aber oft wird es als Trennung oder Abspaltung von der Realität beschrieben. Menschen, die dissoziieren, berichten häufig folgende Erlebnisse bzw. Symptome:

Gefühl der Loslösung:
ein Empfinden, als wäre man nicht wirklich anwesend oder als würde man sich in einem Traum befinden.
Emotionale Taubheit:
eine Unfähigkeit, Gefühle zu spüren oder Emotionen auszudrücken.
Verändertes Zeitempfinden:
Zeit kann schneller oder langsamer vergehen als gewöhnlich, und Ereignisse können verschwommen erscheinen.
Körperliche Symptome:
Schwindel, Benommenheit oder ein Gefühl der Schwere im Körper.

Ursachen einer Dissoziativen Störung

Im Rahmen psychodynamischer Modelle werden Dissoziationen als Bewältigungs- oder Abwehrmechanismen verstanden. Oftmals geht den dissoziativen Störungen ein extrem belastendes, traumatisierendes Ereignis voraus, und die dissoziative Reaktion stellt ein Mittel der Bewältigung andernfalls nicht aushaltbarer emotionaler und/oder körperlicher Belastungen dar.

Als Abwehrmechanismus kann eine dissoziative Symptomatik den Versuch darstellen, für das eigene Selbst nicht akzeptable Bedürfnisse und Triebwünsche zurückzuhalten. Diese werden verdrängt, jedoch kommt die zugrundeliegende Dynamik letztlich doch in Form der dissoziativen Beschwerden zum Ausdruck.

Wie wird eine dissoziative Störung diagnostiziert?

Um dissoziative Störungen verlässlich diagnostizieren zu können, bedarf es einer umfassenden und detaillierten Befragung der Betroffenen. Aufgrund der Komplexität und teilweisen „Unschärfe“ der Symptome sollten keine voreiligen Schlüsse gezogen werden, aber gleichzeitig auch keine Schilderungen vorschnell als irrelevant abgetan werden. Neben der genauen Befragung der Betroffenen zu ihren Erlebnissen und Beschwerden, deren Häufigkeit, Dauer, Intensität und der Frage, wann und in welchen Situationen die Symptome auftreten, können auch Angehörige und sonstige Kontaktpersonen bedeutsame Informationen liefern. Wichtig ist eine umfassende biografische Anamnese mit dem Fokus auf möglichen belastenden Ereignissen in der Vergangenheit. Und wie bei allen psychischen Erkrankungen gilt es, körperliche Ursachen für das Auftreten der Beschwerden organmedizinisch auszuschließen.

Dissoziative Störungen behandeln

In unseren Kliniken behandeln wir dissoziative Störungen im Rahmen unserer ganzheitlichen Therapie und gemäß unserer tiefenpsychologischen Ausrichtung. Das bedeutet, dass der Umgang mit den Symptomen genauso im Fokus steht wie die behutsame Auseinandersetzung mit den zugrundeliegenden Ursachen. Wir unterstützen Sie darin, lebensgeschichtliche Belastungen zu integrieren und Schritt für Schritt wieder zu Ihrer Ganzheit zurückzufinden.

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