ADHS bei Erwachsenen
Symptome und Ursachen
AD(H)S ist nicht nur eine Störung bei Kindern und Jugendlichen. Ein großer Teil der Betroffenen weist auch im Erwachsenenalter noch typische Beschwerden auf. Zwar ist die Studienlage nicht ganz einheitlich, doch kann von etwa 5 Prozent der erwachsenen Bevölkerung ausgegangen werden, welche die Diagnosekriterien aufweisen. Bei 70 Prozent der betroffenen Kinder und Jugendlichen finden sich später zumindest noch vereinzelte Symptome.
Zu den Hauptsymptomen der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung zählen Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität/motorische Unruhe und Impulsivität. Während des Heranwachsens und beim Übergang etwa aus dem Kindergarten in die Grund- und weiterführende Schule kommt es infolge der AD(H)S zu unterschiedlichen Beeinträchtigungen im Bereich der kognitiven, emotionalen und sozialen Entwicklung. Betroffene Kinder haben Schwierigkeiten, den Leistungsanforderungen gerecht zu werden, sie werden häufig von ihren Spiel- und Klassenkameraden ausgegrenzt, verlieren die Lust am Lernen und entwickeln ein niedriges Selbstwertgefühl. In der Summe leiden die betroffenen Kinder stark unter den Folgen der AD(H)S. Im Jugendalter geht die Hyperaktivität oft etwas zurück, Impulsivität und Aufmerksamkeitsstörungen bleiben hingegen erhalten. Jugendliche fallen mitunter durch dissoziales Verhalten, Regelbrüche oder Alkohol- und Drogenmissbrauch auf.
Menschen mit AD(H)S haben eine geringere Lebenserwartung.
Der Betroffenen werden richtig diagnostiziert.
AD(H)S ist gut behandelbar, am besten durch eine Kombination aus Psycho- und Pharmakotherapie.
Wie äußert sich ADHS bei Erwachsenen?
Die für Kinder und Jugendliche typischen AD(H)S-Symptome verändern sich meistens im Erwachsenenalter. Zwar gibt es durchaus Fälle, in denen sich die Beschwerden fortsetzen; häufig jedoch weicht insbesondere die Hyperaktivität einer ausgeprägten inneren Unruhe. Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen werden von den meisten Betroffenen als größte Beeinträchtigung erlebt.
Nachfolgend finden Sie eine Auflistung der häufigsten Probleme von Erwachsenen mit AD(H)S:
Aufmerksamkeitsstörung
- Unvermögen, Gesprächen aufmerksam zu folgen
- Erhöhte Ablenkbarkeit
- Vergesslichkeit
Motorische Hyperaktivität
- Innere Unruhe
- Unfähigkeit, sich zu entspannen
- Unfähigkeit, sitzende Tätigkeiten auszuführen
- Ängstlich-bedrückte, traurig-gereizte Stimmungslage (Dysphorie) bei Inaktivität
Desorganisiertes Verhalten
- Unzureichende Planung und Organisation von Aktivitäten
- Aufgaben werden nicht zu Ende gebracht
Affektkontrolle
- Andauernde Reizbarkeit, auch aus geringem Anlass
- Verminderte Frustrationstoleranz und kurze Wutausbrüche
Impulsivität
- Unterbrechen anderer im Gespräch
- Ungeduld
- Impulsiv ablaufende Einkäufe
- Unvermögen, Handlungen im Verlauf zu verzögern
Emotionale Überreagibilität
- Unfähigkeit, adäquat mit alltäglichen Stressoren umzugehen
- Reizüberflutung, Blackouts
Affektlabilität
- Wechsel zwischen neutraler und niedergeschlagener Stimmung
- Dauer von einigen Stunden bis maximal einigen Tagen
Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede?
Obwohl Frauen und Männer grundlegend in gleichem Ausmaß betroffen sind, wird AD(H)S bei Frauen weitaus seltener und später diagnostiziert. Bei Frauen kann sich AD(H)S außerdem teilweise anders manifestieren als bei Männern.
Zu den typischen AD(H)S-Symptomen bei Frauen zählen:
- Hypersensibilität
- Leichte Reizbarkeit
- Ängstlichkeit
- Risikoscheue
- Tagträumerei
- Springende Gedankengänge
- Wutausbrüche
Grundsätzlich tragen hormonelle Veränderungen zu einer Verstärkung der Symptome bei. Frauen mit AD(H)S haben deshalb besonders während ihrer Periode oder der Wechseljahre mit einer Zunahme der AD(H)S-Symptome zu kämpfen. Da AD(H)S bei Frauen jedoch seltener diagnostiziert wird und häufiger unerkannt bleibt, interpretieren viele Frauen die Beschwerden als eigenes Versagen oder persönliche Schwäche. Hierdurch können sich zusätzliche Störungen oder Symptome entwickeln:
- Versagensängste
- Niedriges Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein
- Essstörungen
- Schlafstörungen
Haben Sie den Verdacht, von ADHS betroffen zu sein?
Der folgende Test ermöglicht es Ihnen, anhand der Beantwortung von sechs Fragen eine Einschätzung über das mögliche Vorliegen von AD(H)S zu erhalten. Das Ergebnis ist als Orientierung zu verstehen. Insbesondere bei Hinweisen auf AD(H)S sollte ein ausführliches Diagnosegespräch mit einer fachkundigen Person folgen.
Ursachen von ADHS bei Erwachsenen
Die Ursachen von AD(H)S sind vielfältig. Diskutiert werden neben genetischen und biologischen Faktoren lebensgeschichtliche Ereignisse sowie Umwelteinflüsse, die letztlich alle zusammenwirken.
Genetische Faktoren
Eine der Hauptursachen für AD(H)S ist die genetische Veranlagung. Studien zeigen, dass AD(H)S in Familien gehäuft auftritt, was darauf hinweist, dass genetische Faktoren eine bedeutende Rolle spielen. Bestimmte Gene, die für die Regulation von Neurotransmittern wie Dopamin verantwortlich sind, wurden mit einem erhöhten Risiko für AD(H)S in Verbindung gebracht. Diese genetischen Unterschiede können die Funktionsweise des Gehirns beeinflussen und zu den charakteristischen Symptomen von AD(H)S führen.
Neurobiologische Ursachen
Neurobiologische Untersuchungen haben gezeigt, dass bei Menschen mit AD(H)S bestimmte Gehirnregionen anders funktionieren. Besonders betroffen sind das Frontalhirn und die Basalganglien, die für die Kontrolle von Aufmerksamkeit, Impulsivität und motorischen Fähigkeiten zuständig sind. Eine Dysfunktion in diesen Bereichen kann zu den typischen Symptomen wie Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität führen.
Umwelteinflüsse
Neben genetischen Faktoren spielen auch Umwelteinflüsse eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von AD(H)S. Pränatale Faktoren wie Rauchen oder Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft, Frühgeburten und niedriges Geburtsgewicht können das Risiko für AD(H)S erhöhen. Auch psychosoziale Faktoren wie Stress, familiäre Konflikte und negative Erziehungserfahrungen können zur Entwicklung von AD(H)S beitragen.
Ergänzung: Die psychosomatische Perspektive
In der Psychosomatik wird AD(H)S als eine Störung betrachtet, die durch das Zusammenspiel von körperlichen und psychischen Faktoren entsteht. Stress und emotionale Belastungen können die Symptome von AD(H)S verschlimmern, und umgekehrt können die Symptome von AD(H)S zu erhöhtem Stress und psychischen Problemen führen. Ein ganzheitlicher Behandlungsansatz, der sowohl die körperlichen als auch die psychischen Aspekte berücksichtigt, ist daher essenziell.
Wie wird ADHS bei Erwachsenen diagnostiziert?
Die Diagnose von AD(H)S bei Erwachsenen wird in der Regel von spezialisierten Fachärztinnen bzw. -ärzten für Psychiatrie oder Neurologie gestellt. Auch Psychotherapeutinnen und
-therapeuten mit entsprechender Ausbildung können die Diagnostik durchführen. Eine umfassende Anamnese, die Nutzung standardisierter Fragebogen und die Berücksichtigung der Entwicklungsgeschichte des Patienten bzw. der Patientin sind wesentliche Bestandteile des Diagnoseprozesses.
ADHS behandeln
AD(H)S als neurobiologische Regulationsstörung behandelt man am besten mit einer Kombination aus Pharmako- und Psychotherapie. Durch die medikamentöse Behandlung kann es zu einer deutlichen Verringerung der typischen AD(H)S-Symptome kommen, und durch die Psychotherapie lernen Betroffene, mit der Störung in ihrem Alltag besser umzugehen. Das ganzheitliche Therapiekonzept in unseren Kliniken bietet eine optimale Unterstützung.
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