Zwangsstörungen
Behandlung und Therapie – Den Zwang loslassen, Freiheit wiederfinden
Mit einer Zwangsstörung zu leben bedeutet, im Alltag mit vielen Herausforderungen konfrontiert zu sein. Es gibt jedoch eine ganze Reihe wirksamer Behandlungsmöglichkeiten: psychotherapeutische Verfahren, Pharmakotherapie oder eine Kombination aus beidem. Auch in unseren Kliniken bieten wir Menschen, die an einer Zwangsstörung leiden, eine umfassende Therapie. Die individuell zusammengestellte Behandlung zielt darauf ab, Zwangsgedanken und Zwangshandlungen zu verringern, die Ursachen der Zwangsstörung zu identifizieren und die Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.
Die verschiedenen Therapiemöglichkeiten bei Zwangsstörungen
Psychotherapie
Bei Zwangsstörungen bietet eine Psychotherapie einen sicheren Raum, um die Erkrankung besser verstehen zu lernen, neue Wege im Umgang mit ihr zu entwickeln und letztlich die Zwänge loszuwerden.
Medikamentöse Behandlung
Gerade bei schweren Zwangsstörungen hat sich eine unterstützende Behandlung mit Medikamenten, begleitend zur Psychotherapie, als sehr wirkungsvoll erwiesen. Insbesondere neuere Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI (Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer) sowie manche trizyklischen Antidepressiva kommen zur Anwendung. Sie reduzieren die Intensität und Aufdringlichkeit der Zwangsgedanken und fördern unter Umständen auch die Bereitschaft für die psychotherapeutische Behandlung, vor allem im Hinblick auf die Konfrontationstherapie.
Zwangsstörungen, früher auch häufig als Zwangsneurosen bezeichnet, sind grundsätzlich gut behandelbar. Oft fällt es Betroffenen jedoch enorm schwer, sich professionelle Hilfe zu suchen, aus Angst und häufig auch aus Scham darüber, „solch schlimme Gedanken zu denken“. Denn gerade das macht eine Zwangserkrankung in vielen Fällen aus: Betroffene leiden an obszönen, gewalttätigen, blasphemischen (lästernd/verleumdend) oder in anderer Weise verbotenen Gedanken, die sie unbedingt zu unterdrücken versuchen. Sie haben große Angst davor, dass es etwas Schlimmes geschieht, wenn sie die Gedanken zulassen oder wenn neutralisierende Zwangshandlungen nicht ausgeführt werden. Psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen bedeutet, einer anderen Person von diesen schrecklichen Gedanken und den oft schambesetzten Handlungen zu erzählen. Dass dies enorm entlastend sein kann, merken Betroffene erst, wenn sie diesen Schritt gehen.
Dabei gibt es ganz unterschiedliche Behandlungsansätze bzw. Therapieschulen:
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)
Sie ist eine der wirksamsten Psychotherapieformen bei Zwangsstörungen. Die KVT hilft Betroffenen, ihre typischen Denk- und Verhaltensmuster zu erkennen und diese zu verändern. Parallel dazu erleben Menschen mit einer Zwangsstörung durch Konfrontation mit Reaktionsverhinderung, dass die befürchteten Konsequenzen nicht eintreten und auch die Angst nicht unendlich ansteigt. Wer bspw. an einem Waschzwang leidet, berührt im Rahmen einer Therapiestunde einen Türgriff oder ein Treppengeländer, ohne im Anschluss direkt die Hand zu waschen. Es geht darum, die entstehende Spannung auszuhalten, die typische Neutralisierungshandlung zu unterlassen und letztlich zu spüren, wie Angst und Anspannung von allein nachlassen. In Kombination stellen diese verhaltenstherapeutischen Methoden eine sehr wirksame Behandlungsform bei Zwangsstörungen dar.
Tiefenpsychologische Verfahren
Diese Psychotherapieform bezieht bei der Behandlung von Zwangsstörungen vor allem biografische Erfahrungen und prägende Beziehungsmuster der (frühen) Kindheit mit ein. Der Zwang wird hier als eine Kompensationslösung für bisher ungelöste und häufig auch verdrängte Beziehungskonflikte – oft im Hinblick auf die Eltern – betrachtet. In der Behandlung geht es darum, Verzögerungen oder Behinderungen in der normalen menschlichen Entwicklung bewusst zu machen, sich dem inneren Kind als erwachsene Person von heute an die Seite zu stellen und Denk- und Verhaltensweisen zu etablieren, welche die Zwangsstörung überflüssig machen.
Systemische Therapie
In der Systemischen Therapie wird die Zwangsstörung im Kontext der gesamten Lebensumwelt der Betroffenen betrachtet. Familienangehörige und enge Bezugspersonen werden in den Therapieprozess miteinbezogen, um Interaktionsmuster zu erkennen, die die Zwangsstörung häufig aufrechterhalten. Das Ziel ist, neue und gesündere Beziehungs-, Kommunikations- und Verhaltensmuster zu entwickeln.
Achtsamkeitsbasierte Methoden
Achtsamkeitsbasierte Methoden werden häufig als Ergänzung, etwa zur KVT, eingesetzt. Sie helfen Betroffenen, ihre Zwangsgedanken und -handlungen aus einer nicht wertenden Perspektive zu beobachten. Durch regelmäßige Achtsamkeitsübungen kann man lernen, Gedanken und Emotionen zu akzeptieren, ohne mit Zwangshandlungen darauf zu reagieren.
Behandlung von Zwangsstörungen in den Heiligenfeld Kliniken
In der Therapie von Zwangsstörungen verknüpfen wir tiefenpsychologische und verhaltenstherapeutische Elemente mit Körper- und Kreativtherapien. Auf diese Weise bieten wir Ihnen als Patientin oder Patient eine ganzheitliche Behandlung, die nicht nur die Symptome Ihrer Erkrankung lindert, sondern explizit auch die Ursachen mit in den Blick nimmt. Letztendlich geht es darum, tiefsitzenden Zweifeln und Verunsicherungen wirksam zu begegnen, das Vertrauen in die persönliche Wahrnehmung zu stärken und im Ausdruck der eigenen Bedürfnisse und Gefühle ermutigt zu werden.
Dr. med. Hans-Peter Selmaier
Chefarzt der Parkklinik Heiligenfeld und stellv. Ärztlicher Direktor
Dr. med. Hans-Peter Selmaier
Chefarzt der Parkklinik Heiligenfeld und stellv. Ärztlicher Direktor
Therapieziele
Die Therapie verfolgt das Ziel, Ihre belastenden Zwangsgedanken und -handlungen zu reduzieren, Ihre Lebensqualität als Patientin oder Patient zu verbessern und Ihre Selbstwirksamkeit zu fördern. Dabei spielt insbesondere eine vertrauensvolle und haltgebende therapeutische Beziehung eine wichtige Rolle. Ausgehend hiervon kann durch Wissensvermittlung und Psychoedukation das Krankheitsverständnis erhöht werden. Die Behandlung im gruppentherapeutischen Setting hilft Ihnen, sich zugrundeliegende Beziehungsthemen bewusst zu machen und diese zu bearbeiten. Auch kunst- und körpertherapeutische Ansätze fördern diesen Prozess der schrittweisen Bewusstwerdung. Im Miteinander können somit bisher abgewehrte Gefühle behutsam zum Ausdruck gebracht werden, neue Beziehungserfahrungen gemacht und insgesamt ein funktionaleres Verhalten ausprobiert und gefestigt werden.
In diesen Kliniken behandeln
wir Zwangsstörungen
Finden Sie die Klinik, die genau für Sie passt.
Wir sind für Sie da!
Unser Patientenservice Aufnahme beantwortet Ihre Fragen. Rufen Sie uns an unter folgender Telefonnummer:
Montag bis Donnerstag: 08:00 Uhr – 17:00 Uhr
Freitag: 08:00 Uhr – 14:30 Uhr
Fordern Sie jetzt Ihr individuelles Aufnahmepaket an!